Samstag, 20. September 2014

Rezension: Krähenmädchen - Erik Axl Sund



Titel: Krähenmädchen
Autor: Erik Axl Sund
Seiten: 480
Verlag: Goldmann 
Preis: 12,99 € 
Ersterscheinung: 21. 07. 14
Reihe: Teil 1 von 3

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Kurzbeschreibung:
Stockholm. Ein Junge wird tot in einem Park gefunden. Sein Körper zeigt Zeichen schwersten Missbrauchs. Und es bleibt nicht bei der einen Leiche ... Auf der Suche nach dem Täter bittet Kommissarin Jeanette Kihlberg die Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe, bei der eines der Opfer in Therapie war. Ihr Spezialgebiet sind Menschen mit multiplen Persönlichkeiten. Eine andere Patientin Sofias ist Victoria Bergman, die unter einem schweren Trauma leidet. Sofia lässt der Gedanke nicht los, bei ihr irgendetwas übersehen zu haben. Schließlich müssen sich Jeanette und Sofia fragen: Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird?

Meinung:
Es wird schon ziemlich bald nach dem Beginn des Lesens klar, dass dieses Buch kein alltägliches und vor allem keine leichte Kost ist. Es geht um Kindermorde mit schweren Misshandlungs- und Missbrauchspuren. Also eh ein Thema das für viele zu speziell und zu abschreckend ist. Und dabei ist das Autorenduo auch nicht gerade zimperlich die Vorstellungskraft des Lesers voll auszureizen. 

Aber zumeist wirklich nur die Vorstellungskraft, denn die Beschreibungen selbst lassen zwar keine Zweifel offen, sind aber fast immer eher angedeutet, etwas distanziert und schnörkellos, so dass man nicht komplett in dem Grauen versinkt. 

Die Handlung an sich ist sehr komplex und besteht aus vielen verschiedenen Handlungssträngen, die mit der Zeit miteinander kombiniert werden, so dass etwas Licht ins Dunkel kommt. Zum einen ist da der Handlungsstrang rund um Kommissarin Jeanette Kihlberg, die mit den Ermittlungen zu den Kindermorden betraut wird. Dabei gibt es auch einige Einblicke in ihr belastetes Privatleben. Zum anderen gibt es noch die Psychologin Sofia Zetterlund, auch bei ihr wird dem Leser ziemlich schnell klar, dass nicht alles rosig läuft und dass ihre Persönlichkeit angeschlagen ist. Zusätzlich gibt es noch einige Einschübe aus der Sicht des unbenannten Täters und aus dem Leben von Victoria Bergmann, die schon von Kindesbeinen an von ihrem Vater vergewaltigt wurde.

Durch diese vielen verschiedenen, kaum gekennzeichneten und zu Beginn schwer einordbaren Sichten muss der Leser schon konzentriert dabei bleiben um den Faden nicht zu verlieren. Für mich haben die vielen schwedischen Namen und Ortsbezeichnungen das Lesen noch zusätzlich erschwert. Und auch bei dem nüchternen Erzählstil habe ich eine Weile gebraucht um mich daran zu gewöhnen.

Dennoch hat mich irgendwas an der Geschichte gefesselt. Ich wollte wissen wie es weitergeht und wie alles zusammenhängt. So war für mich die Handlung, trotz der vielen Gewalt und einiger ausschweifender und langwieriger Beschreibungen, in denen es kaum neue Erkenntnisse gab, ziemlich spannend. Die Autoren bauen ihre Geschichte geschickt auf, so dass sich mit der Zeit immer mehr erschreckende Vermutungen bilden, die sich dann auch bestätigen. 

Eine weitere Besonderheit in „Krähenmädchen“ ist die sehr düster gezeichnete Welt. Alles ist irgendwie negativ und wird von einer depressiven Stimmung überlagert. Egal ob Privat oder im Beruf. Sowas hatte ich bisher noch nicht, aber es passt sehr gut zum Thema und zur Umsetzung. 

Hierbei handelt es sich ja um den Auftaktband in eine Trilogie. Dementsprechend wird erstmal viel Zeit darauf verwendet die einzelnen Figuren ein bisschen kennenzulernen und erste Schlüsse zu ziehen. Ich finde die Charaktere eigentlich alle gut und tiefgründig erarbeitet und sie haben alle eine persönliche Note. Dabei sind sie mir zwar selten wirklich sympathisch, aber auch das passt irgendwie zu der Distanziertheit die das Autorenduo erschafft. Ärgerlich finde ich nur, dass die Handlung mitten drin endet und man schon gezwungen ist, die Fortsetzung zu lesen. Das einzig Positive daran ist, dass die Fortsetzungen in sehr kurzen Abständen und alle noch dieses Jahr erscheinen. 

Fazit:
Ein komplexer Roman, der gleich in mehrfacher Hinsicht nichts für Jedermann ist. Es geht um brutale Kindermorde und -vergewaltigungen, es herrscht eine ausschließlich düstere Grundstimmung und man muss aktiv und konzentriert mitdenken um den Faden nicht zu verlieren und die Zusammenhänge verstehen zu können und sich darauf einstellen, dass der erste Teil mitten in der Geschichte endet. Auch der Schreibstil ist oft nicht gerade einfach zu lesen und an manchen Stellen wird die Geschichte fast ein bisschen langwierig. ABER wer sich darauf einlässt wird einige spannende und fesselnde Lesestunden, die nicht alltäglich sind. Für mich war die Geschichte trotz allem extrem lesenswert und vergebe deshalb gute 3,5 Buchherzen. 


Infos zum Autor (Quelle: Amazon):
Erik Axl Sund ist das Pseudonym des schwedischen Autorenduos Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist. Håkan ist Tontechniker, Musiker und Künstler. Jerker ist der Producer von Håkans Elektropunkband "iloveyoubaby!" und arbeitet zurzeit als Bibliothekar in einem Gefängnis. Zusammen haben sie drei Romane geschrieben, die Victoria-Bergman-Trilogie, für die sie 2012 mit dem Special Award der Schwedischen Krimiakademie ausgezeichnet wurden.  

Infos zur Reihe:
1. Krähenmädchen
2. Narbenkind *am 15.09.14 erschienen*
3. Schattenschrei *erscheint am 17.11.14*

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