Mittwoch, 14. Januar 2015

Rezension: Scheinwelt - Michael Linnemann



Titel: Scheinwelt
   Autor: Michael Linnemann
 Seiten: 290
Verlag: Amazon Publishing
Preis: ebook: 4,99 €  
 Ersterscheinung: Okt. 14, Neuauflage kommt am 17.02.15
Reihe: Teil 1 von ?







Kurzbeschreibung:
Als einer ihrer Kollegen entführt wird, nehmen die junge BKA-Beamtin Jennifer Dachs und ihr neuer Partner Arnold Schleiser sofort die Ermittlungen auf. Sie finden heraus, dass ihr Kollege als Druckmittel dienen soll; der Entführer will sie dazu zwingen, ihm eine bestimmte Information zu beschaffen. Dazu müssen die beiden einen verurteilten Mörder verhören, der jedoch nicht im Traum daran denkt, mit ihnen zu kooperieren. Um das Leben ihres Kollegen dennoch zu retten, wendet Jennifer fragwürdige Methoden an, die ihr selbst schnell das Genick brechen könnten.

Meinung:
„Scheinwelt“ ist ein Thriller, der in mehreren Punkten aus der Masse hervorsticht und teilweise ungewöhnliche Besonderheiten aufweist. So startet das Buch mit zwei  Prologen, die dem Leser in zwei verschiedene Perspektiven Einblick gewähren und sehr passend gewählt sind. Zum einen werden wir Zeuge eines Einbruchs, der dann mit einem Mord und einer Verhaftung endet. Zum anderen lernen wir die BKA-Beamtin Jennifer  und ihren Kollegen Lukas kennen.

Die Hauptgeschichte beginnt dann mitten in der Handlung. Jennifers Kollege Lukas wird entführt und für Jennifer und ihren anderen Kollegen Arnold beginnt ein ziemlich rätselhafter Fall. Denn innerhalb kürzester Zeit gibt es viele Verwicklungen und Fährten, sowie Probleme und Rückschläge.  Nicht nur die Ermittler müssen in mehrere Richtungen überlegen, sondern auch der Leser ist voll gefordert um  den Faden nicht zu verlieren. Denn zusätzlich erhält man auch die Erzählungen aus mehreren Perspektiven, weshalb auch zusätzlich alles noch abwechslungsreich und spannend bleibt. 

Zumindest solange sich die Erzählungen wirklich nur mit den Ermittlungen beschäftigen. Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder etwas längere Einblicke in die schwierigen Privatleben der Ermittler und da muss ich sagen, dass mir das schon ein bisschen zu viel war und mir dadurch immer mal wieder etwas von der großen Spannung abhandenkam. Anfangs fand ich die Andeutung von Jennifers Liebesproblemen und Arnolds schlechtem Zustand seitdem ihn seine Freundin verlassen hat noch ganz interessant, aber mit der Zeit hat es mich fast ein bisschen genervt. 

Die Charaktere sind soweit gut beschrieben und da hätte in meinen Augen auch eine weniger ausführliche Andeutung der Probleme gereicht. Nachdem ich den Roman beendet habe, verstehe ich, wieso der Autor diesen Weg und auch diesen Titel gewählt hat, aber trotzdem war es mir während des Lesens einfach etwas zu viel des Guten. 

Die Auflösung des ganzen Falls, mitsamt seinen Verstrickungen, ist auf jeden Fall extrem überraschend und unerwartet. Dabei gab es nochmal ganz viele Fragezeichen und einen besonderen Kick. Am Ende wurde erzähltechnisch auch alles sehr nachvollziehbar und plausibel dargestellt und fast alle offenen Fragen beantwortet. Nur kann ich mir nicht recht vorstellen, dass man solch ein Vorgehen auch im realen Leben wählen würde, weshalb mir trotz der spannenden Unterhaltung ein bisschen der Realitätsbezug gefehlt hat. 

Am Ende gibt auch wieder zwei Epiloge und trotz des Hinweises auf die Fortsetzung  verzichtet der Autor glücklicherweise auf einen  gemeinen Cliffhanger. 

Fazit:
Ein Kriminalroman mit ungewöhnlichen Elemente und einem sehr überraschenden Ende. Die Ermittlungen sind sehr verzwickt und erzeugen eine große Spannung, die leider durch zu viele Einschübe aus den problematischen Privatleben der Ermittler unnötig gedämpft wird. Das Ende kann erzählerisch durchaus überzeugen und offene Fragen beantworten, jedoch bleibt ein kleiner Zweifel, ob sowas im realen Leben auch möglich gewesen wäre. Nichtsdestotrotz bietet das Lesen Spaß und Unterhaltung, weshalb ich trotz meiner Kritikpunkte gute 3,5 Buchherzen und eine Leseempfehlung vergebe.
 Vielen Dank an den Autor für die Bereitstellung des ebooks.

Infos zum Autor (Quelle: Lovelybooks.de):
Michael Linnemann, geboren am 09.01.1987 in Ahlen, begann unmittelbar nach seinem Abitur 2006 ein Studium an der Georg-August-Universität Göttingen. Seine dortigen Fächer sind die Deutsche Philologie und die Mittlere sowie Neuere Geschichte. Den Bachelorabschluss erlangte er im Jahr 2009. Derzeit erwartet er die Abschlussnote seiner Masterarbeit, die er in der Germanistik ebenfalls an der Georg-August-Universität verfasste. Seit 2002 beschäftigt er sich intensiv mit der Gattung des Thrillers. Besonders interessiert ihn dabei die Entwicklung vom klassischen zum modernen Thriller. Dieses Interesse brachte ihn zu der Idee, einen Roman zu schreiben, der gezielt die klassische Tätersuche eines ‚Whodunit’-Romans in die Struktur einer modernen Serienmördergeschichte einbindet.

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