Samstag, 9. Mai 2015

Rezension: In Seide und Leinen - Patricia Rabs




Titel: In Seide und Leiden - Geschichte einer Königstochter
  Autorin:  Patricia Rabs
  Seiten: 256   
Verlag: Im.press
Preis: ebook 3,99 €
Ersterscheinung: 07. 05. 2015
  Reihe: Nein







Kurzbeschreibung:
Katharina wächst als einzige Tochter eines mächtigen Königs in vollkommenem Reichtum, aber auch in großer Einsamkeit auf. Nichts wünscht sie sich sehnlicher als ein Dorffest besuchen zu können und so zu sein wie jedes andere freie Bauernmädchen. Als das Königreich überfallen wird und sie in den Kleidern ihrer Zofe fliehen muss, wird ihr Wunsch schließlich wahr. Viel zu wahr. Denn noch vor dem Erreichen des benachbarten Königshofs wird Katharina ihres Namens beraubt und ist plötzlich nichts weiter als eine Gänsemagd …

Meinung:
Märchen sind toll, vor allem wenn sie in ein neues und modernes Gewand gepackt werden, sich selbst aber trotzdem treu bleiben.

Und dies ist Patricia Rabs mit ihrer Neuerzählung „In Seide und Leinen“, welches sich mit der Geschichte der Gänsemagd beschäftigt, eigentlich recht gut gelungen, auch wenn ich mir manche Umsetzungen doch ein bisschen anders gewünscht hätte. 

Obwohl die Geschichte ja bereits größtenteils bekannt ist und man am Ende doch alle wichtigen Elemente des Märchens auf die eine oder andere Weise wiederfindet, gibt es einige kleine Änderungen und Überraschungen. So war mir persönlich nicht gleich klar, welche von Kats Begleiterinnen sie am Ende verrät und was die auslösenden Gründe dafür sind. Bei beiden Mädchen hat sich mit der Zeit immer mehr unterschwellige Wut offenbart und dieses stückweise Herantasten an die Situation hat mir eigentlich recht gut gefallen. 

Ebenso fand ich die Sache mit dem Schwur und dessen Auswirkungen gut gelöst. Denn sich einfach nur von sich aus an einen Schwur zu halten fände ich in solch einer Situation eher unglaubwürdig, weshalb ich mit der Umsetzung der Autorin zufrieden war. 

Die Aufdeckung der ganzen Sache vor dem König kam mir hingegen fast ein bisschen zu einfach vor, da hätte ich mir irgendwie noch etwas Besonderes gewünscht. Dennoch ist das Ende selbst einfach richtig märchenhaft und ich fand es doch toll, dass auch Kürtchen wenigstens noch kurz auf der Bildfläche erschienen ist.

Der Grundkern des Märchens ist durch Krieg, Tod, Verrat und Eifersucht ja eher ziemlich düster. Diese Atmosphäre bleibt auch den kompletten Roman über im Vordergrund, wird aber durch die Liebesgeschichte und das märchenhafte Ende angenehm gemildert. 

Schade fand ich, dass man ein bisschen wenig über die Allgemeinsituation erfahren hat. So gab es zum Beispiel keine Antwort, wieso es überhaupt den Krieg in Kats Heimatland gab. Ebenso hätte man den Nebenfiguren teilwiese schon ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenken können. Und auch den abrupten Erzählerwechsel gegen Ende fand ich nicht wirklich gut gelöst, sondern eher etwas verwirrend. Da hätte ich es besser gefunden Estiennes Sicht auch früher schon mal in die Geschichte einzubinden, oder zumindest das Kapitel mit seinem Namen einzuleiten. 

Außerdem muss ich noch sagen, dass es mir anfangs etwas schwer fiel eine Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Kat war mir längere Zeit nicht wirklich sympathisch, ihre Reaktion zwar ein bisschen nachvollziehbar, aber doch auch selbstsüchtig. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sie sich aber weiter, weshalb ich mich dann doch noch ganz gut mit ihr anfreunden konnte. 
Estienne hingegen ist richtig toller Charakter, dem ich gleich verfallen war.

Fazit:
Eine Märchenadaption die in der Gesamtbetrachtung recht gut gelungen ist. Zwar gab es einige kleinere Kritikpunkte, die ich mir ein bisschen anders gewünscht hätte, aber trotz allem finde ich „In Seide und Leinen“ lesenswert und kann die Geschichte allen Märchenfans empfehlen. Deshalb vergebe ich auch mit den kleinen Haken noch knappe 4 Buchherzen. 
 Vielen Dank an die Autorin und den Im.press Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Infos zur Autorin (Quelle: Amazon):
Patricia Theresa Rabs ist Theaterschauspielerin und stand viele Jahre in Aachen auf der Bühne. 2011 zog sie für zwei Jahre nach Japan und hat sich damit ihren größten Traum erfüllt. In dieser Zeit begann sie auch mit dem Schreiben und Publizieren von Romanen. Nebenbei hat sie sich zum Ziel gesetzt alle Stephen-King-Bücher zu besitzen, ihre Babyratte Hermine zu erziehen und hinter das feine Netz der Welt zu blicken.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen