Freitag, 2. Oktober 2015

Rezension: Stockholm Syndrom - Lenore Gregor


 
Titel: Stockholm Syndrom: Erotik-Thriller
   Autorin: Lenore Gregor
   Seiten: 160
Verlag: Cupido Books
   Preis: 6,99 €    
Ersterscheinung: 01. 10. 2015
 Reihe: ?






Kurzbeschreibung:
Ein abgelegenes Ferienhaus im Wald – ideal für Kara, ihren Freund Sebastian und ihren Studienkollege Marco. Hier können sie ohne Internet und Ablenkung für die Bachelorprüfung lernen! Wie abgeschieden es dort wirklich ist, spüren die drei bald deutlicher als ihnen lieb ist: Marek und seine Bande haben sich ausgerechnet dieses Domizil ausgesucht, um nach einem Bankraub unterzutauchen. Aus der geplanten Arbeitsphase werden albtraumhafte Wochen in Gefangenschaft. Jeder in der Zwangsgemeinschaft verbirgt ein eigenes düsteres Geheimnis. Die Situation ist kräftezehrend für alle Beteiligten, und schon nach kurzer Zeit verschwimmen die Grenzen zwischen Gefangenen und Wächtern. Kara und Marek ziehen sich beinah magisch an, und unter den aufmerksamen Augen aller entsteht eine erotische Nähe, die mit dem Stockholm-Syndrom allein kaum zu erklären ist.

Meinung:
Zumeist bin ich bei solch kurzen Geschichten eher skeptisch, weil mir da oft etwas fehlt. Jedoch fand ich die Kurzbeschreibung wirklich interessant, weshalb die Neugier doch überwogen hat.

Umso erfreuter war ich, dass mir der Großteil des Buches richtig gut gefallen hat und ich 120 Seiten lang nicht wirklich viel auszusetzten hatte. 

Der Plot ist kompakt, aber durchaus fesselnd und die Handlung genau ausreichend beschrieben. Obwohl es nur 1,5 Seiten dauert bis die Bankräuber auftauchen, habe ich mich nicht überrumpelt gefühlt, sondern hatte das Gefühl einen guten Start in die Geschichte bekommen zu haben. Mit der Zeit bekommt man einige Seiten der Figuren offenbart und es passt, um die Geschichte gut am Laufen zu halten. Klar, hätte man den Figuren noch mehr Tiefe verleihen können und sind sie auch alle ein bisschen klischeebehaftet, aber das hat den Lesespaß nicht gestört. 

Besonders gut hat mir die Ausarbeitung von Protagonistin Kara gefallen. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine normale, glückliche Studentin. Erst mit der Zeit wird deutlich, dass sie in ihrem Leben wohl schon einiges mitgemacht hat und sie gar nicht so stabil ist. Und auch ihre Gedanken werden schnell widersprüchlich, aber das ist für den Leser extrem realistisch und nachvollziehbar dargestellt. Man fühlt sich Kara nah und kann ihren etwas verdrehten Gedankengängen immer folgen und findet in dem Moment alles genau richtig. Es wird eine tolle und authentische  Atmosphäre erschaffen, so dass die wenigen Seiten nur so dahin fliegen.

Zumindest bis auf die letzten 30 Seiten. Die konnten mich dann überhaupt nicht mehr überzeugen. Da ist plötzlich diese mysteriöse, aber beeindruckende Plausibilität total verloren gegangen.  Es wird alles übertrieben, total übereilt, wirkt unüberlegt und ist nicht mehr nachvollziehbar. Und mit jeder Seite, der sich das Buch dem Ende nähert, wurde es umso haarsträubender und schlimmer. Bis ich am Ende Kara auch noch total unsympathisch fand und ihr Schlechtes an den Hals gewünscht habe. Außerdem wurden viele der offenen Fragen einfach nicht mehr beantwortet, was mich richtig enttäuscht zurückgelassen hat.

Überrascht hat mich auch, dass sich Erotikszenen eher kurz kamen und eher so nebenbei, aber durchaus passend eingestreut wurden. Dies habe ich zwar nicht erwartet, jedoch hat es gut in die Geschichte gepasst. 

Fazit:
Eine Geschichte, die mich die ersten vier Fünftel  richtig gut unterhalten hat und an der ich bis dahin kaum etwas auszusetzen hatte. Die Autorin hat es geschafft, eine glaubhafte und fesselnde Atmosphäre zu erschaffen und die etwas verdrehten Gedanken der Protagonistin beeindruckend nachvollziehbar werden zu lassen. Jedoch zerstören die letzten 30 Seiten das vorherig-positive Gefühl komplett. Da passt dann gar nichts mehr und es wirkt fast wie von einem anderen Autor, weshalb ich am Ende sehr enttäuscht zurückblieb. Somit fällt „Stockholm Syndrom“ in der Gesamtbetrachtung leider auf knappe 3 Buchherzen zurück.
Herzlichen Dank an Cupido Books für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Infos zur Autorin (Quelle: cupido-books.com):
Lenore Gregor vermag meisterhaft, leise und nahezu unmerklich die psychische Komplexität der Charaktere im Verlauf der Geschichte fassbar zu machen. Die junge Autorin studiert Psychologie und Kommunikationswissenschaft an einer deutschen Universität.

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