Freitag, 11. Dezember 2015

Rezension: Der Junge, der Träume schenkte - Luca Di Fulvio




Titel: Der Junge, der Träume schenkte
  Autor: Luca Di Fulvio
    Seiten: 784 
Verlag: Bastei Lübbe
    Preis: 10,99 €     
Ersterscheinung: 22. 07. 2011  
 Reihe: Nein







Kurzbeschreibung:
New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie kommen aus dem tiefsten Süden Italiens - mit dem Traum von einem besseren Leben in Amerika. Doch in der von Armut, Elend und Kriminalität gezeichneten Lower East Side gelten die gnadenlosen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Robustheit und Durchsetzungskraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen zu verzaubern vermag ...

Meinung:
Nachdem ich ja vor kurzem erst „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ gelesen habe und nicht ganz so begeistert war, hatte ich bei „Der Junge, der Träume schenkte“ auch keine allzu großen Erwartungen und hätte ich es nicht für eine Challenge gebraucht, hätte ich es wohl auch so bald nicht gelesen. 

Doch dieses Mal wurde ich positiv überrascht, da der Autor es besser geschafft hat, seine Geschichte wirklich rund und ganzheitlich zu erzählen. Es werden auch hier wieder sehr viele Themen angeschnitten, es gibt verschiedene Handlungsstränge, die sich mit der Zeit annähern, verbinden und wieder trennen und einen interessanten Einblick in das Leben der damaligen Zeit. 

Hier gibt es nicht so viele Protagonisten, dafür bekommen alle Raum eine gewisse Tiefe zu entfalten und sich zu entwickeln. Und obwohl es auch hier wieder einige Konflikte, ausführlich beschriebene, grausame Szenen und Rückschläge gibt, versteift sich der Autor nicht so sehr darauf, sondern vermittelt auf der anderen Seite auch Hoffnung und Liebe. 

Dabei mag die Geschichte in der Gesamtbetrachtung vielleicht nicht immer ganz wahrscheinlich erschienen, Christmas bekommt viel Hilfe und reich zu werden erscheint einem da teilweise auch recht einfach. Aber trotzdem kann sie den Leser fesseln,  wird gut, glaubhaft, lebendig und trotz der vielen Seiten und einer gewissen Vorhersehbarkeit meist spannend erzählt und vermittelt gleichzeitig ein bisschen das Gefühl von einem Märchen der besonderen Art. 

Dazu passt auch die Gabe von Protagonist Christmas sehr gut. Er hat das besondere Talent, dass Menschen ihm zuhören, ihm Glauben und er mit seiner Stimme, seinen verrückten Ideen und seiner Sprache einfach fesseln kann. Dabei hat er auch Ecken und Kanten, trifft nicht immer gleich die richtigen Entscheidungen und ist manchmal etwas aufbrausend, aber am Ende kommt er doch wieder auf den richtigen Weg. Es macht einfach Spaß ihn auf seinem Weg ein Stück zu begleiten.

Beschrieben wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und anfangs gibt es sogar einige Zeitsprünge. Die Hauptgeschichte spielt in den 20er Jahren und erzählt die Geschichte des jungen Christmas, seiner großen Liebe Ruth und des Verbrechers William, deren Geschichte verbunden ist. Zu Beginn gibt es aber auch immer ein paar Kapitel aus früheren Jahren, in denen die junge Cetta mit ihrem Sohn nach Amerika kommt und der Leser einen Einblick bekommt, wie schwer es für sie war. 

Das Ende hat mir gut gefallen, es wird einfach zu einem stimmigen Abschluss gebracht und nach beenden des Romans bleibt ein positives Gefühl. 

Fazit:
Ein toller Roman, der sowohl den Alltag der damaligen Zeit aufgreift als auch etwas märchenhaft und hoffnungsvoll daher kommt. Es entsteht eine besondere Atmosphäre, die beim Lesen immer greifbar ist und den Leser ganz nah ran bringt. Ich habe mich fast die ganzen 784 Seiten gut unterhalten gefühlt und das Buch mit einem positiv-nachhallendem Gefühl geschlossen. Deshalb gibt es gute 4 Buchherzen und eine Leseempfehlung. 

Infos zum Autor (Quelle: luebbe.de):
Luca Di Fulvio, geb. 1957, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Rom. Bevor er sich dem Schreiben widmete, studierte er Dramaturgie bei Andrea Camilleri an der Accademia Nazionale d'Arte Drammatica Silvio D'Amico. Seine  Romane Der Junge, der Träume schenkte und Das Mädchen, das den Himmel berührte standen monatelang auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste.

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