Mittwoch, 13. April 2016

Rezension: Götter - Will Hofmann




Titel: Götter
Autor: Will Hofmann
    Seiten: 400
Verlag: Fabulus

  Preis: 19, 95 Euro 
Ersterscheinung: 29. 02. 2016
Reihe: Nein







Kurzbeschreibung:
In Deutschland gibt es vier geheime Reservate, in denen, nach Geschlechtern getrennt, Männer und Frauen wie Sklaven gehalten und körperlich sowie sexuell durch sogenannte Götter ausgebeutet werden. Diese gebärden sich zu ihrem eigenen Vorteil als Herren über Leben und Tod und führen über ihre Untertanen ein strenges Regiment bis hin zur Todesstrafe.
Diesem Terrorregime entfliehen unabhängig voneinander Agnes und Günter. Sie treffen sich zufällig in der Freiheit, tun sich zusammen und müssen das zivilisierte Leben von Grund auf neu lernen. Mithilfe von Freunden gelingt ihnen dieser Prozess erstaunlich schnell. Zugleich entsteht bei ihnen der Wunsch, die vermeintlichen Götter zu entmachten. Werden sie diesen Kampf erfolgreich bestehen?

Meinung:
Obwohl ich das Cover nicht besonders ansprechend finde, hat mich der Klappentext umso neugieriger gemacht. Dadurch, dass diese etwas bizarre Geschichte in Deutschland angesiedelt ist, klang es irgendwie unglaubwürdig, aber gleichzeitig auch extrem spannend.

Die Idee dahinter, hat mir auch während des Lesens noch super gefallen. Ich fand vieles recht gut und anschaulich dargestellt und die gegebenen Erklärungen fand ich doch ziemlich plausibel. Deshalb habe ich dem Autor die Geschichte im Großen und Ganzen auch so abgenommen und bin nach und nach ins Grübeln gekommen, ob so etwas mitten in Deutschland den wirklich möglich wäre. Anfangs habe ich den Standpunkt eines klaren „Neins“ vertreten, aber mit der Zeit bin ich doch immer unschlüssiger geworden. 

Mein größtes Problem an dem Roman war der Schreibstil bzw. die Art, wie die Geschichte erzählt wird. Einerseits fand ich es ziemlich verwirrend und unnötig anfangs gleich mehrere verschiedene Handlungsstränge einzuführen. Da hätten Agnes und Günter erst einmal gereicht. Alles andere hätte man später hinzufügen und durchaus etwas knapper fassen können. Vor allem, dass dabei auch durch unterschiedliche Zeitebenen gesprungen wurde, fand ich doch etwas zu viel. Jedoch bin ich mit der Zeit immer besser damit zu Recht gekommen und die Handlungsstränge haben sich im Verlauf zu einem stimmigen Gesamtbild verbunden, weshalb ich mich dann doch noch damit anfreunden konnte.

Womit ich mich aber eher schwerlich anfreunden konnte, war die spannungsarme Erzählweise des Autors. Dieses Thema bietet so viel Spannung, Gräueltaten und Entsetzen, sodass man das Buch eigentlich gar nicht mehr auf die Seite legen können müsste. Jedoch wurde diese Stimmung vom Autor nicht im Geringsten umgesetzt. Die ganze Geschichte liest sich eher wie ein nüchterner Tatsachenbericht, statt als spannender Roman. Das fand ich sehr schade und vergeudetes Potential auf ganzer Linie. 

Denn auch so liest sich der Roman trotz der teils altertümlichen Sprache, den Wortneuschöpfungen und verwirrenden Zeit- und Perspektivenwechsel ziemlich schnell, weil es einfach total abschreckend und faszinierend zugleich ist, was da beschrieben wird. Wenn da auch noch der Schreibstil dazu passen würde, hätte daraus ein richtig geniales Buch werden können. 

Die Figuren fand ich gut und ausführlich beschrieben und für solch einen Roman passend. Vor allem Agnes ist eine beeindruckende und starke Protagonistin, deren Weg ich gerne begleitet habe. 

Das Ende wurde dann irgendwie ein bisschen schnell und zu simpel abgehandelt. Dass so eine mächtige Organisation so leicht zerschlagen werden kann, fand ich ein bisschen unglaubwürdig, aber im Großen und Ganzen war die Auflösung schon ok.

Fazit:
Ein Roman, mit einer etwas bizarren Grundidee, die aber durchaus neugierig macht und eigentlich auch recht gut umgesetzt wurde. Ich fand die Erklärungen durchaus plausibel und bin auch mehrmals ins Überlegen gekommen.  Das größte Manko ist aber der Schreibstil, da dieser überhaupt nicht zu solch einem Roman passt. Dafür ist er viel zu spannungsarm und eher wie ein Tatsachenbericht gestaltet, was bei dem zugrundeliegenden Weltentwurf einfach vergedeutes Potential ist. Doch trotz allem hat sich die Geschichte recht zügig lesen lassen und mich unterhalten, weshalb ich gute 3 Buchherzen vergebe. 
Herzlichen Dank an den Literaturtest und den Fabulus-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Infos zum Autor (Quelle: Amazon.de):
Will Hofmann, geboren 1949 im Taunus.
Arzt für Allgemeinmedizin und Psychiatrie mit 20-jähriger Praxiserfahrung in Berlin-Neukölln.
Begann seit Jugendjahren zu schreiben.
Erste Veröffentlichung 2011, "Abenteuermond" - ein Kinder-Science Fiction.
Bei Kindle bisher erscheinen: "Oktan", "Million Dollar Jucken" und "Da läuft was aus", eine Sammlung skurriler Kurzgeschichten.

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