Freitag, 8. Juli 2016

Rezension: Wie das Licht von einem erloschenen Stern - Nicole Boyle Rødtnes




 Titel: Wie das Licht von einem erloschenen Stern
   Autorin: Nicole Boyle Rødtnes
  Seiten: 243
Verlag: Beltz & Gelberg
Ersterscheinung: 29. 04. 2016
Reihe: Nein
Preis: 14,95 €
*klick* zu Amazon 
*klick* zur Verlagsseite






Kurzbeschreibung:
Seit Vega bei einer Feier gestürzt ist, leidet sie an Aphasie. Sie kann nicht sprechen, kaum lesen und mit noch größerer Mühe schreiben. Auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin Ida und ihrem Freund Johan gibt ihr keinen Halt, denn sie kommen mit ihrer Krankheit nicht zurecht. Vega fühlt sich innerlich wie tot und zieht sich immer mehr zurück. Bis sie Theo trifft, der ebenfalls an Aphasie leidet und beide merken, dass sich zusammen leichter ein Weg in ein neues Leben finden lässt.

Meinung:
Die Kurzbeschreibung hat mich sofort angesprochen und da ich schon so viel Gutes davon gehört habe, bin ich auch mit einigen Erwartungen an die Geschichte gegangen.

Auffallend positiv finde ich die Grundthematik. Aphasie ist mal eine Krankheit die mir abgesehen von Schlaganfällen selten begegnet ist und  eine Jugendgeschichte, die sich darum dreht, ist definitiv etwas besonders. Es geht nicht um Krebs oder was wir alle schon oft gelesen haben, sondern es geht um eine andere Art von Tragik, die aber genauso packend und emotional sein kann.

Ich schreibe „sein kann“, weil das Potential dafür durchaus vorhanden ist. Vega leidet sehr an der Aphasie. Ihr ganzes Leben hat sich geändert, sie wurde zur Außenseiterin, wird bevormundet und ist frustriert und wütend. Der Leser kann an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, nachvollziehen wie sie sich fühlt und mit ihr mit leiden. Die Autorin hat Vega sehr authentisch und realitätsnah dargestellt und eine starke Protagonistin geschaffen. 

Auch die Nebenfiguren fand ich teilweise ziemlich interessant. Zwar hätte man da noch ein bisschen tiefer gehen und sie noch eindringlicher beschreiben können, aber vom Prinzip her hat das schon so gepasst. 

Schreibstil und Erzählweise fand ich für das Thema und die Zielgruppe sehr ansprechend. Leicht und flüssig zu lesen, durch die eher bedrückende Grundstimmung manchmal ein bisschen duster, aber auch die freudigen Momente werden hervorgehoben. Die verschiedensten Emotionen werden beschrieben, teilweise nicht ganz so packend, wie es hätte sein können, aber durchaus solide und abwechslungsreich. 

Ebenso fand ich den Aufbau sehr rund und stimmig. Cover, Titel und auch Kapitelüberschriften passen zusammen und jedes Kapitel wird erst von einem kleinen Abschnitt mit Vergangenem eingeleitet, wodurch die Geschichte nochmal sehr schön abgerundet wird und man mit der Zeit ein immer besseres Gesamtbild bekommt. 

Und trotzdem, auch wenn das alles wirklich gute und solide Einzelelemente, hatte ich das Gefühl, dass nicht das ganze Potential genutzt wurde und mir in der Gesamtbetrachtung doch irgendwas gefehlt hat. Das Gefühl blieb trotz aller Tragik und Nachvollziehbarkeit ein bisschen oberflächlich und hat mich nicht vollkommen erfüllt. Am Ende ging mir auch alles ein bisschen zu schnell und das vollkommen durchdringende Gefühl, das solche Tragikgeschichten ausmacht, hat sich einfach nicht eingestellt. 

Fazit:
Eine aus vielen besonderen und stimmigen Einzelelementen bestehende Geschichte, die unterhält und Emotionen offenbart, meinen Erwartungen aber trotzdem nicht ganz entsprechen konnte. Obwohl die Geschichte lesenswert ist, hat mir am Ende das gewisse Gefühl solcher Geschichten ein bisschen gefehlt und ging es mir dann etwas zu schnell. Deshalb vergebe ich gute 3,5 Buchherzen.

Infos zur Autorin (Quelle: Beltz.de):
Nicole Boyle Rødtnes, geb. 1985, gründete 2002 den Verein »Hoffnungsvolle junge Schriftsteller«, der zahlreiche erfolgreiche dänische Schrift steller hervorgebracht hat. 2010 debütierte sie mit dem Roman »Dødsbørn«, dem ersten Band einer Serie, der bei einem kleinen Verlag herauskam und schnell sehr erfolgreich wurde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen