Samstag, 18. Juni 2016

Rezension: Das geheime Evangelium - Ian Caldwell

 
 
Titel: Das geheime Evangelium
  Autor: Ian Caldwell
  Seiten: 560
Verlag: Rütten & Loening
Ersterscheinung: 16. 05. 2016
Reihe: Nein
Preis: 16,99 €
 
 
 
 
 
 
 
 
Kurzbeschreibung:
Der katholische Priester Simon will sich in den Gärten von Castel Gandolfo heimlich mit dem Kurator einer Ausstellung treffen, die die Geschichte der Kirche verändern soll. Doch vor Ort findet er dessen Leiche. Schnell stellt sich heraus: Es war Mord – und Simon wird verdächtigt. Gleichzeitig wird in die Wohnung seines Bruders Alex, einem griechisch-orthodoxem Prister eingebrochen. Alex versucht, einen Zusammenhang zwischen den Verbrechen herzustellen. Ist das geheime Evangelium, das ausgestellt werden sollte, der Grund? Alex ahnt, dass er der Wahrheit immer näherkommt, denn plötzlich wird er selbst gejagt.

Meinung:
Ich mag die Bücher und Verfilmungen von Dan Browns „Robert Langdon – Reihe“ ja recht gerne und da die Kurzbeschreibung von „Das geheime Evangelium“ in die Richtung ging, hat mich das Buch doch ziemlich neugierig gemacht. 

Vom Prinzip her geht es auch durchaus in dieselbe Richtung, es gibt ein Verbrechen aufzudecken, hinter dem aber viel mehr steckt, als man anfangs vermutet hatte und dabei gibt es viele historische Hintergründe und Erklärungen und sogar ein paar weiterführende Theorien. 

Jedoch gibt es auch Unterschiede, denn während Dan Brown seinen Fokus trotz aller Hintergründe doch eher auf Spannung und Gefahr gelegt hat, rutscht die greifbare Spannung hier doch manchmal ein bisschen in den Hintergrund und geht in der großen Masse an Details und komplexen Zusammenhängen teilweise ein bisschen unter.

Man erfährt in dem Buch sehr viel über das Leben im Vatikan. Der Autor vermittelt den deutlichen Eindruck, dass er den Vatikan mitsamt den Lebensbedingungen und Besonderheiten dort sehr gut kennt. Man wird während des Lesens auf einen richtig authentischen Stadtrundgang mitgenommen. Auch die anderen Themen die er behandelt, das teils erschreckende Machtgefüge und die Ränke innerhalb der katholischen Kirche und des Vatikans, das Grabtuch von Turin, das geheime Evangelium und seine Bedeutung und der Twist mit der Orthodoxen Kirche wirken sehr glaubhaft recherchiert und dargelegt, aber eben auch sehr detailliert, ausführlich und teils komplex. 

Ich fand diese ganzen Hintergründe echt interessant, habe mich manchmal aber auch ein bisschen erschlagen davon gefühlt. Die Geschichte ist definitiv nicht langweilig und hat seinen Charme, aber wer hier einen Thriller erwartet, dessen Spannungslevel immer on Top ist, der wird wohl etwas enttäuscht werden.

Hier geht es trotz der Grundproblematik des Mordes und der steigenden Gefahr für Protagonist Alex doch eher um die leiseren Töne. Denn auch das Gefühl der Liebe spielt in dem Thriller in verschiedenen Varianten eine große Rolle.  Jetzt nicht nur die Liebe zu einer Frau, sondern auch die Liebe zu einem Bruder, zu einem Kind und zu Gott und die Frage, was man bereit ist, für die jeweilige Liebe zu geben. 

Die Protagonisten werden im Verlauf der Geschichte  mit vielen Facetten geschildert und wirken ganzheitlich erarbeitet. Die Nebencharaktere bleiben zumeist eher ein bisschen im Dunkeln, aber das hat auch seinen Zweck.  

Fazit:
Ein sehr detaillierter und eher ruhiger Vatikan-Thriller, der das Hauptaugenmerk nicht auf direkte Spannung sondern die authentische Darlegung der unterschiedlichen Hintergründe und das Innerste seines Protagonisten legt. Dies hat zwar durchaus auch seinen Charme, war mir aber manchmal ein bisschen zu viel, weshalb ich am Ende ganz knappe 3,5 Buchherzen vergebe.
 Vielen Dank an den Rütten & Loening für die Bereitstellung des Leseexemplars.


Infos zum Autor (Quelle: Aufbau-Verlag.de):
Ian Caldwell wurde 1976 in Washington, D.C., geboren. Sein Geschichtsstudium schloss er 1998 in Princeton ab. Er lebt mit seiner Ehefrau und seinem Sohn in Newport News, Virginia. Mit »Das letzte Geheimnis« hat er bereits einen internationalen Bestseller verfasst.

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