Donnerstag, 21. November 2013

Rezension: MUH! - David Safier





Titel: MUH! 
 Autor: David Safier 
  Seiten: 336     
Verlag: Kindler 
Preis: TB 9,99 €, geb. 16,95 € Ersterscheinung: 09. 11. 2012   
Reihe: Nein 
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Kurzbeschreibung:
«Kuh sera, sera. Was sein soll, soll sein, soll sein. Die Zukunft, die kennt kein Schwein ...» Dieses Lied singt die ostfriesische Kuh Lolle, deren Traum vom glücklichen Leben wie eine Blase auf der heißen Milch zerplatzt: Nicht nur, dass ihr geliebter Stier Champion sie mit einer anderen betrügt, nein, der Bauer auf ihrem Hof beschließt auch noch, alle Kühe schlachten zu lassen. Die Rettung kommt in Gestalt eines charmanten italienischen Katers. Er verrät Lolle, dass es ein Land auf dieser Welt gibt, in dem Kühe nicht zu Bolognese verarbeitet werden: Indien. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen, der harten Hilde und dem lieben Radieschen, flieht Lolle von dem Bauernhof. Begleitet werden sie dabei nicht nur von Kater Giacomo, sondern auch von Susi, ausgerechnet jener blöden Kuh, die Lolle den Stier ausgespannt hat. Und auf der Suche nach dem ganz großen Glück erlebt die kleine chaotische Herde jede Menge gefährliche Abenteuer.

Meinung:
David Safier ist ein Name, mit dem ich viel Talent für intelligente Witze und humorvolle Romane verbinde. Auch wenn für mich keines seiner anderen Werke an sein Debüt „mieses Karma“ herankam, fand ich die anderen doch auch wirklich gut gelungen, perfekt zum Lachen und sehr lesenswert. 

Demzufolge war ich auch sehr gespannt auf  sein neuestes Werk „Muh!“.  Ich muss zugeben, dass ich bisher noch nie ein Buch aus der Sicht von Kühen gelesen habe und fand diesen schmalen Grat, der etwas naiven Weltansicht der Kühe, von Herrn Safier anfangs eigentlich ganz gut gelöst. Auch die Charaktere selbst fand ich zu Beginn zwar schon etwas sehr klischeebeladen, aber ich hatte noch Hoffnung und eigentlich waren sie für den Einstieg ganz liebenswert. Lolle ist zwar sehr naiv und etwas treu-doof, aber dennoch sympathisch und hat einen mutigen Kern. Auch die anderen Kühe und vor allem der Kater Giacomo vertreten jeweils einen stereotypen Charakter, den man so schon mehrmals gelesen hat. Dennoch bringen sie zu Beginn immer wieder etwas Witz in die Geschichte, so dass ich doch ab und an schmunzeln musste. Generell habe ich da noch darauf gewartet, dass es nun endlich richtig mit der erwarteten Geschichte los geht und ich wieder laut lachen kann. Jedoch habe ich irgendwie vergeblich gewartet. Denn weder die Charaktere, noch die Witze haben sich glaubhaft entwickelt und gefestigt. 

Dabei ist die Handlung an sich ist relativ ok. Die Reise selbst hat sich für mich zwar etwas zu lang hingezogen und manche Szenen wurden nicht so gut umgesetzt, aber in der Grundidee fand ichs gar nicht so schlecht.  Man weiß ja schon vorher, dass die solch eine Geschichte so niemals passieren könnte, deshalb fand ich auch die Tatsache, dass sich die Kühe einfach so in ein Flugzeug schmuggeln, oder aus einem fahrenden Zug springen können, nicht störend oder tragisch. Dennoch sind manche Sachen noch unerklärlicher und vor allem unpassender, als die erwähnten Beispiele. Vor allem die Teilgeschichte rund um den untoten Hund Old Dog, der immer wieder in Lolles Träumen und mitten in der Weltgeschichte auftaucht, fand ich einfach nervig und unnötig, da die Spannung dadurch auch nicht erhöht wurde. Und auch die seitenlangen Erklärungen über die Erschaffung der Welt durch die Gotteskuh, oder die ganzen abgewandelten Lieder habe ich  nach dem ersten Einschub nur noch übersprungen, da sie meinen Geschmack überhaupt nicht getroffen haben. 
Zusätzlich ist auch die ein oder andere Frage nach dem Beenden des Romans leider noch offen geblieben.

Das Buch hat natürlich auch zugrundeliegende Hauptthemen, auf die der Autor aufmerksam machen möchte. So geht es vor allem um die Suche nach dem Glück und dass man auch glücklich sein kann und muss, wenn die eigenen Träume nicht vollständig erfüllt werden können. Außerdem kritisiert der Autor milde den extremen Fleischkonsum und die Massentierhaltung, die so in diesem Maße wohl nicht nötig wären. Diese Grundintensionen werden trotz allem sehr deutlich und verleihen dem Buch zumindest sehr unterschwellig einen tieferen Sinn. Lobend muss ich unbedingt noch die Buchgestaltung erwähnen, da es eine Weltkarte mit den markierten Stationen der kleinen Weltreise gibt und diese wirklich schön anzusehen ist.

Der Schreibstil ist wie gewohnt einfach und flüssig zu lesen. Nur die Anteile des intelligenten Humors sind leider kaum vorhanden. Es gibt viele Witze, die aber dieses Mal fast alle nicht wirklich ankommen und eher sehr platt und bemüht wirken. 

Fazit:
„Muh!“ ist ein Roman, der eigentlich mit einer interessanten Grundidee aufwarten kann, jedoch in der Umsetzung einfach nicht gelungen ist. Die Witze sind fast immer platt, bemüht und einfach übertrieben, die Charaktere bleiben trotz kleinerer Entwicklung klischeehaft und viele der eingefügten Nebenhandlung wirken unpassend und einfach nervig. Es ist ohne Zweifel Herr Safiers schlechtester Roman, für den ich, trotz guter Ansätze, nicht mehr als 2 Buchherzen vergeben kann.


Infos zum Autor (Quelle: Amazon):
David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Seine ersten beiden Romane "Mieses Karma" und "Jesus liebt mich" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller. Außerdem arbeitet David Safier als Drehbuchautor. Für seine TV-Serie "Berlin, Berlin" gewann er den Grimme-Preis sowie den International Emmy (den amerikanischen Fernseh-Oscar). David Safier lebt in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.

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