Kurzbeschreibung:
Als
Kind hat Julian manchmal Visionen. Da tragen manche seiner
Klassenkameraden merkwürdige Marker im Gesicht oder am Körper, die
nur er sehen kann und die ihm allesamt Angst einjagen. Die rote Wolke
zum Beispiel, die immer Verenas Beine verdeckt. Oder die fahlgrauen
Nebel, die aus Lars‘ Augen fließen. Aber seit Julian die richtigen
Medikamente nimmt, ist das Problem verschwunden. Das waren nur
Fehlschaltungen im Hirn, sagt seine Therapeutin. Bedeutungslose
Trugbilder.
Bei einem Klassentreffen Jahre später trifft Julian Verena
wieder. Ein Schock: Das früher so sportliche Mädchen sitzt im
Rollstuhl. Als er nachforscht, stellt er fest, dass auch anderen
»markierten« Personen Schlimmes zugestoßen ist. Zufall? Waren
seine Trugbilder tatsächlich so bedeutungslos? Oder war er imstande,
Schatten zu sehen, die die Zukunft vorauswirft?
Meinung:
Ich
war schon sehr gespannt, auf Frau Poznanskis neues Werk. „Shelter“
konnte mich ja in der Auflösung leider gar nicht überzeugen und
auch „Böses Licht“ aus der Krimi-Sparte fand ich nicht so gut.
„Oracle“
hat definitiv wieder ein interessantes Setting. Was wäre, wenn
Visionen, die man von Schizophrenien kennt, gar keine Trugbilder
sind, sondern die Möglichkeit im Raum steht, dass diese
Krankheiten/Verletzungen voraussagen?
Ein sehr
spannender, aber auch etwas erschreckender Grundgedanke, vor allem für
mich, wo ich ja beruflich viel mit diesem Krankheitsbild zu tun habe.
Dementsprechend
war ich sehr gespannt, wie die Autorin ihre Geschichte aufbaut und
fand den Start eigentlich ziemlich gelungen. Protagonist Julian will seine
Vergangenheit nun endlich hinter sich lassen und mithilfe von
Medikamenten endlich ein normales Leben leben. Er zieht ins
Studentenwohnheim und findet zum ersten Mal richtige Freunde. Um mit
der Vergangenheit abzuschließen, besucht er auch ein Klassentreffen,
doch dieses ruft genau das Gegenteil hervor. Dadurch, dass er
erfährt, dass einigen Menschen, die er früher nur mit Nebeln und
Balken gesehen hat, schlimmes widerfahren ist, wird Julian wieder
skeptisch, was diese Anzeichen betrifft.
Ich
muss sagen, dass ich die Ausgangslage und auch Julians Ängste und
die Auswirkungen auf sein Leben gut verstehen konnte. Die
Beschreibungen der Marker sind wirklich abschreckend und auch die
Schlüsse, die er daraus zieht, konnte ich nachvollziehen. Trotzdem
fand ich ihn in seinen Entscheidungen oft leichtsinnig und naiv
und fand es leider so typisch, wie es läuft, wenn Menschen plötzlich
ihre Medikamente absetzten.
Natürlich
ist es bei ihm nochmal eine besondere Situation, aber fast alle
Schizophrenen glauben, dass ihre Trugbilder etwas besonderes und
wichtiges sind und irgendwie finde ich es fast ein bisschen
fahrlässig von der Autorin, hier darzustellen, dass mehr dahinter
stecken könnte und man es nur ausprobieren muss.
Aber auch den Mitteilteil fand ich eher etwas langatmig. Da geht nicht
viel voran und Julian versucht alle von was zu überzeugen, was man
sich nicht wirklich vorstellen kann und leidet auch selbst sehr
darunter.
Das
Ende hingegen fand ich ganz gut. Es gibt einen spannenden Showdown
und auch einige glaubhafte Verbindungen und Entwicklungen. Ich hätte
gern noch etwas mehr zur Gesamtsituation erfahren, aber insgesamt ist
das Ende doch recht rund und die einzelnen Entwicklungen werden
sinnvoll angestoßen und ihr Fortgang angedeutet.
Positiv
fand ich einige der Nebenfiguren. Ein paar der Leute, die Julian im
Studentenwohnheim trifft, so wie Pia und ihr besonderer Hund Kinski
und auch Julians Mitbewohner Robin hat viele gute Seiten, wenn aber
auch nicht nur... Einer der Antagonisten ist leider etwas sehr blass
geblieben, da wäre etwas mehr möglich gewesen.
Fazit:
Insgesamt
eine interessante Geschichte, die ich aber in ihrer Botschaft auch
etwas leichtsinnig finde. Die Ausgangslage ist aber realistisch und
nachvollziehbar und auch das Verhalten und die Gefühle von Julian
fand ich passend, wenn auch manchmal etwas naiv beschrieben. Im
Mittelteil hat es mir etwas zu lange gedauert, bis die Geschichte
wirklich vorankommt, aber das Ende ist ein guter und stimmiger
Showdown mit glaubhaften Verbindungen und Entwicklungen, auch wenn
ich gerne noch etwas mehr vom Leben danach erfahren hätte. Somit hat
mir die Geschichte wieder besser gefallen, als die letzten der
Autorin, aber ich hatte doch auch meine Kritikpunkte, weshalb es am
Ende für gute 3,5 Buchherzen reicht.

Herzlichen Dank an Den Hörverlag für die Bereitstellung des Hörbuchs.
Infos zur Autorin (Quelle: penguin.de):
Ursula Poznanski, 1968 in Wien geboren, veröffentlicht seit 2003
Kinderbücher. Für »Die allerbeste Prinzessin« erhielt sie den Kinder-
und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2005 und stand auf der Auswahlliste
für den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Sie lebt mit ihrer
Familie im Süden von Wien. Ihr Cyberthriller »Erebos« wurde von der
Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 ausgezeichnet.
Ende 2011 erschien ihr zweiter Jugendroman, der Thriller »Saeculum«
. Es folgten »Layers« (2015), »Elanus« (2016), »Aquila« (2017) und »Thalamus« (2018), »Erebos 2« (2019). »Cryptos« (2020) und »Shelter« (2021).
Info zum Sprecher (Quelle: penguin.de):
Jens Wawrczeck, in Dänemark geboren, erhielt seine Schauspielausbildung
in Hamburg, Wien und New York. Seitdem ist er regelmäßig auf der Bühne
zu sehen und hat seit seinen Anfängen beim NDR-Kinderfunk in unzähligen
Hörspielen mitgewirkt. Seit 1979 ist er Teil des Kult-Trios "Die drei
???". In seiner eigenen Hörbuchedition AUDOBA widmet er sich
außergewöhnlicher und in Vergessenheit geratener Literatur, u. a. den
Romanen, die der große Sir Alfred Hitchcock verfilmt hat. Jens Wawrczeck
wurde sowohl als Schauspieler als auch als Hörbuchinterpret mehrfach
ausgezeichnet. 2016 erhielt er den Sonderpreis des Deutschen
Hörbuchpreises. Sein gesangliches Können stellt er auf seinem Soloalbum
"Celluloid" unter Beweis.
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