Donnerstag, 11. September 2014

Rezension: Wilhelmstadt. Die Abenteuer der Johanne deJonker 1: Die Maschinen des Saladin Sansibar – Andreas Dresen



Titel: Wilhelmstadt. Die Abenteuer der Johanne deJonker 1: Die Maschinen des Saladin Sansibar
  Autor: Andreas Dresen
  Seiten: 264
Verlag:  Acabus
Preis: TB 12,99 €, ebook 5,99 €
Ersterscheinung: 14. 07. 2014  
Reihe: Teil 1 von ??





Kurzbeschreibung:
Wilhelmstadt, 1899. Das stählerne Venedig Deutschlands. Eine dem Braunkohle-Rausch verfallene, hochindustrialisierte Stadt als Schauplatz einer verschwörerischen Intrige inmitten von Dampfmaschinen und mechanischen Gadgets. Mitten in der Nacht versinkt die „Juggernauth“ in den Fluten des Rheins. An Bord ist auch der Neffe von Kaiser Wilhelm II. Nur der Ingenieur Julius deJonker überlebt das Unglück, liegt aber unwiederbringlich im Koma. Trotzdem zeichnet der Kaiser ihn verantwortlich für die Katastrophe und enteignet ihn all seiner Besitztümer. Nur seine Tochter Johanne ist von der Unschuld ihres Vaters überzeugt. Verarmt, aber voller Entschlußkraft, macht sie sich zusammen mit Miao, einer verstoßenen Luftnomadin mit einem Dampfbein, auf die Suche nach den wahren Schuldigen. Doch der Geheime Kommerzienrat Oppenhoff setzt alles daran, ihre Suche zu vereiteln und seine Spuren zu verwischen.

Meinung:
Dies ist mein erstes gelesenes Buch aus dem Genre Steampunk. Ich war gespannt, was mich erwartet, denn eigentlich klingt die Idee dahinter ja recht interessant. Und auch die Kurzbeschreibung hat mich direkt angesprochen. 

Als es dann ans Lesen ging, fand ich es anfangs auch noch ziemlich fesselnd, welche tollen Erfindungen sich der Autor ausgedacht und in die Vergangenheit gepackt hat. Auch Wilhelmstadt selbst ist alles andere als gewöhnlich, da die Stadt in zerlegbare Segmente aufgeteilt ist und über ein reichlich ausgeprägtes Tunnelsystem verfügt.

Doch auch wenn ich diese Erfindungen zu Beginn interessant fand, wurden die ausführlichen Beschreibungen dessen, wie diese Maschinen genau aussehen und was sie vermögen schon bald langwierig und danach einfach nur zu viel.  Die Spannung, die durch die brisante Ausgangslage von Johanne durchaus vorhanden ist, wird dadurch immer wieder heruntergefahren und die Haupthandlung durch unendliche Menge an skurrilen Maschinen und Geschöpfen überlagert. 

Ich mag nicht abstreiten, dass manche dieser Erfindungen durchaus mal ein Schmunzeln oder ein Staunen bei mir hervorgerufen haben, aber je weiter sich der Roman dem Ende entgegenneigte, desto öfters war ich nur noch genervt davon. Auch die Handlung selbst wird mir dann etwas zu verworren, bzw. haben sich mir nicht alle Hintergründe und Zusammenhänge  wirklich komplett logisch erschlossen. Evtl. mag das aber auch daran gelegen haben, dass meine Aufmerksamkeit bei weitem nicht mehr so hoch war, wie vielleicht am Anfang noch. 

Die Charaktere sind durchaus etwas Besonderes und nicht alltäglich. Johanne setzt alle Hebel in Bewegung um den guten Namen ihres Vaters wieder reinzuwaschen und herauszufinden was wirklich an Bord der Juggernauth passiert ist. Dabei lässt sie sich oft von ihrer Rache leiten und sorgt mir ihrem Verhalten auch für den einen oder anderen Lacher. Und doch merkt man, dass die Beschreibung ihrer Person, oder auch der Menschen in ihrem Umfeld viel zu kurz kommen. Ihre Leibwächterin Mioa, oder ihr Diener Joseph, der ständig von schwarzen Künsten spricht, scheinen noch so viele verborgene Geheimnisse zu haben, dass es echt schade ist, dass sie im Vergleich zu den Maschinen so extrem kurz kommen. 

Der Schreibstil ist an sich recht angenehm zu lesen und zeigt einiges an Kreativität. Jedoch leidet das Erzähltempo mit der Zeit spürbar an den ausführlichen Maschinenbeschreibungen.

Fazit:
Ich befürchte, Steampunk wird nicht mein Genre werden. Ich finde zwar den Ideenreichtum, den der Autor an den Tag gelegt hat  immer noch bewundernswert, aber für mich blieben durch den starken Fokus auf die unendlichen Erfindungen sowohl die Handlung, als auch die Charaktere und die Spannung etwas zu sehr auf der Strecke. Mit der Zeit musste ich mich schon sehr zum Weiterlesen motivieren, weshalb ich nicht mehr als 2 Buchherzen vergeben kann.

Mein Dank geht an den Acabus-Verlag für die Bereitsstellung dieses Leseexemplars.

Infos zum Autor (Quelle: Amazon):
Andreas Dresen, Jahrgang 1975, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Aachen. Schon immer war er von fremden Welten fasziniert - von der wilden Atlantik-Küste Südirlands genauso wie von den Sagen und Legenden seiner Heimat. Und so findet sich in seinen Kurzgeschichten genauso wie in seinem Debütroman "Ava und die STADT des schwarzen Engels" eine fesselnde, gleichsam skurrile und charmante Mischung aus Fantasy-Elementen, klassischer Mythologie und einem scharfen Blick für die Kuriositäten der Gesellschaft und des Alltags.

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