Donnerstag, 29. November 2012

Rezension: Anthony Noll und der goldene Zeigefinger: wenn kleine Roboter träumen - Francis Linz


Titel: Anthony Noll und der goldene Zeigefinger: wenn kleine Roboter träumen
Autor: Francis Linz
Seiten: 227
Verlag: Books on Demand
Preis: 16, 90 Euro
Ersterscheinung: 21. 04. 2012
Reihe: Teil 1 von ? 

 



Inhalt:
Anthony ist 8 Jahre alt und kein glücklicher Junge. Er spricht mit Bäumen, hat keine Freunde und die Beziehung zu seinen Eltern ist sehr angespannt. Als Anthony eines Tages nach einem schweren Unfall wieder zu sich kommt, ist er sehr verwirrt. Denn er erwacht in einer fremden Welt, in der er ein menschenähnlicher Roboter ist, 3 gute Freunde hat und die Ausbildung zum Zauberer durchläuft. Darüber hinaus wird es noch seltsamer, denn alle scheinen ihn zu kennen und wundern sich, wieso er sich nicht mehr erinnert und sich so seltsam verhält. Nach einem tollen und aufregenden Tag erwacht Anthony leider wieder in der Menschenwelt. Als er schon alle Hoffnung aufgegeben hat, wiederholt sich der Sprung zwischen den Welten und er beginnt langsam zu verstehen, dass jede Welt in der anderen nur ein Traum ist. Träumt er hier, ist er ein Roboter. Träumt er dort, ist er wieder ein Menschenkind. Doch warum das so ist, weiß er nicht. Er weiß nur, dass nun mitten in einem unglaublichen Abenteuer steckt.

Meinung:
Der erste Teil der Anthony Noll Reihe ist auf den ersten Blick ein eher unscheinbares Buch, welches weder mit dem Cover, noch mit dem Klappentext mein Interesse geweckt hätte. Ein fataler Fehler, denn die Idee hinter der Geschichte ist einfach etwas Besonderes und hat mich komplett in seinen Bann gezogen. 

Auf der einen Seite steht die Erde, in der Anthony kein gutes Leben führt.  Er ist unbeliebt, etwas dicklich, kommt aus ärmlichen Verhältnissen und seine Eltern kümmern sich im besten Falle nicht um ihn, denn wenn sie doch mal an ihn denken, dann bekommt er meistens Ohrfeigen. In Robotanien, so wie Anthony die andere Welt nennt, ist Ant (wie er dort heißt) zwar immer noch kein perfekter Roboter, doch er hat ein gutes Leben und vor allem erfährt er Liebe und Freundschaft. Dabei ist die neue Welt selbst so interessant, fantasievoll und liebevoll gezeichnet, dass man sich einfach davon fesseln lassen muss. Man lernt zusammen mit Anthony die Grundzüge dieser ungewöhnlichen Welt kennen und stellt sich die gleichen Fragen wie er. Leider bekommt man bisher nur wenige Antworten, doch dadurch erzeugt der Autor einen fast durchgängigen Spannungsbogen, der die 227 Seiten viel zu schnell dahin fliegen lässt.

Die Charaktere haben, wie auch der Rest des Romans, noch sehr viel Potential. Man erfährt das Wichtigste von den einzelnen Figuren und kann sich so ein ausreichendes Bild von ihnen machen, Sympathien für sie entwickeln und mit ihnen hoffen und fühlen, jedoch wäre es sehr interessant noch Genaueres von ihnen und dieser neuen Welt zu erfahren. 

Der Autor hat einen außergewöhnlichen, meiner Meinung nach sehr prägnanten und etwas verspielten Schreibstil. Auch dadurch bekommt das Buch einen besonderen Status. Doch leider liegt hier mein größter Kritikpunkt, denn mir war er teilweise etwas zu verspielt und einfach zu ungewohnt. So ändert sich z. B. die Satzstruktur manchmal mitten im Satz. Das hat mich dann oft so verwirrt, dass ich Sätze mehrfach lesen musste, bevor ich sie wirklich verstanden habe. Ich glaube der Autor wollte damit oft die spezielle Sicht eines 8 jährigen Jungen auf das Leben und seine Besonderheiten betonen. Manchmal ist ihm das durchaus auch gelungen, aber oft war es mir einfach zu viel, was meinen Lesefluss teils doch deutlich gehemmt hat.

Auch wenn das Buch vom Autor als Kinder- /Jugendbuch gedacht war, denke ich doch, dass es für etwas ältere Semester besser geeignet ist. Durch die teils komplizierten Sätze und dadurch auch manchmal verwirrenden Zusammenhänge, dürfte es Kindern eher schwer fallen, der Geschichte zu folgen. Doch für junggebliebene Erwachsene, die gerne träumen und sich verzaubern lassen, ist es eine wundervolle Geschichte.

Fazit:
Auch wenn „Anthony Noll und der goldene Zeigefinger – wenn kleine Roboter träumen“ wirklich nicht perfekt ist, ist es ein berauschendes Buch, welches mich trotz seiner Schwächen und vor allem aufgrund der bezaubernden Idee fesseln und für sich einnehmen konnte. Ich sehe es als einen gelungenen Start in eine wirklich lesens- und empfehlenswerte Reihe, der eine große Neugier auf den (bereits erschienen) Nachfolger weckt. Denn es bleiben noch sehr viele interessante Fragen unbeantwortet und man möchte einfach Wissen, wie es mit Anthony und seinen Freunden weiter geht. So kann ich wirklich sagen, dass das Buch viel mehr hält, als das unscheinbare Äußere verspricht und mich damit sehr positiv überrascht hat! Dafür gebe ich dem Buch gerne 4 gute Buchherzen.
Ich danke dem Autor für seine Anfrage und das Rezensionsexemplar!

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