Dienstag, 10. September 2013

Rezension: Vollendet - Neal Shusterman





Titel: Vollendet
Autor: Neal Shusterman
Seiten: 432
  Verlag: Sauerländer
  Preis: 16, 99 Euro    
Ersterscheinung: 01. 08. 12
  Reihe: Teil 1 von 4 
 




Kurzbeschreibung (Quelle: Fischer-Verlage):
Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren umwandeln lassen können. Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem ... lebst du dann, oder bist du tot?

Meinung:
„Vollendet“ ist wieder eines der Bücher, bei denen es mir gar nicht so leicht fällt, eine sinnige Rezension darüber zu schreiben. Denn mir hat das Buch in der ersten Hälfte nicht wirklich gut gefallen, doch danach hat es mich total gepackt und nicht mehr los gelassen. 

Gründe wieso mir der Einstieg in diese Welt so schwer gefallen ist, gibt es einige. So war für mich der Schreibstil erst mal sehr gewöhnungsbedürftig. Denn zum einen ist er im Präsens geschrieben, womit ich meistens zu Beginn eh immer etwas meine Probleme habe, dann aber auch, weil er so kalt und emotionslos wirkt. Man wird sofort in die Geschichte geworfen, hat kaum die Möglichkeit sich zu orientieren, oder diese Welt und ihre Regeln, sowie die Zusammenhänge darin zu verstehen. Auch die Figuren lernt man zuerst kaum kennen und braucht sehr lange, um eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Dazu ist der Schreibstil ziemlich gehetzt, jedoch passt das gut zur Handlung, da die Teenager ständig auf der Flucht sind.

Auch mit den Hintergründen zu der Welt habe ich mich zuerst nicht ganz leicht getan. Also ich finde die Idee bietet im großen Dschungel der Dystopien doch noch etwas Neues. Jedoch konnte ich mir irgendwie lange Zeit nicht vorstellen, dass es wirklich einmal so weit kommen könnte, dass Jugendliche einfach so „entsorgt“ werden können.

 Jedoch ändert sich das alles ab der Hälfte des Romans. Die Geschichte verliert etwas von ihrem Gehetze und nimmt sich endlich Zeit sich zu entwickeln und Fragen zu beantworten. Man versteht die Zusammenhänge und lernt dabei auch die Protagonisten besser kennen. Und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto erschreckender wird sie und gleichzeitig verliert sie auch immer mehr von der anfänglichen Abstraktion.  Je näher das Ende rückt, desto mehr Schockelemente baut der Autor ein, wodurch man einerseits das Buch kaum noch aus der Hand legen kann, aber andererseits die grausame Vorstellung nur noch schwer ertragen kann. Man ist einfach geflasht und in der grausamen Zukunft gefangen.

Das Hauptthema ist die mangelnde Bereitschaft zur Organspende, die durch den immer größeren Bedarf an Organen schon jetzt ein Problem darstellt. Doch zusätzlich lässt der Autor seine Figuren auch anderen grundlegenden Dingen auf den Grund gehen. So diskutieren die Jugendlichen oft untereinander, wann der Mensch eine Seele hat und ob man selbst irgendwie weiter lebt, auch wenn alle Körperteile in verschiedenen Menschen verstreut sind. Diese Dialoge sind dem Autor gut gelungen und regen sehr zum Nachdenken an. 

Fazit:
„Vollendet“ war für mich ein zweischneidiges Schwert. Der Anfang sehr gewöhnungsbedürftig und nüchtern, ab der Hälfte dann unglaublich fesselnd und erschreckend. Auch wenn ich dem Buch jetzt aufgrund der ersten Hälfte „nur“ sehr gute 3,5 Buchherzen (mit deutlicher Tendenz zu 4) vergeben kann, hat mich der Autor in der Gesamtbetrachtung wirklich überzeugt und schockiert, weshalb ich das Buch allen Dystopie-Fans empfehlen würde. Ich für meinen Teil, bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie es weiter geht. 


Infos zum Autor (Quelle: Amazon):
Neal Shusterman, geboren 1962 in Brooklyn, schrieb seine ersten Geschichten bereits zu Schulzeiten. Er studierte in Kaliforniern Psychologie und Theaterwissenschaften, mittlerweile widmet er sich ganz dem Schreiben von Jugendbüchern und Drehbüchern für Fernsehserien und Spielfilme. 

Infos zur Reihe:
1. Vollendet
3. engl. Titel:  UnSouled
4. engl. Titel:  UnDivided 

Kommentare:

  1. Hallo Steffi,

    nun das Buch baut sich langsam, aber gewaltig auf und Schritt für Schritt begreift man die Tragweite....

    Ein Buch, dass einem die Eltern/Kinderrolle deutlich vor Augen führt im Positiven/wie im negativen Aspekt.

    Besonders fies/gruselig war doch die Sache mit Roland in der Erntefabrik oder?

    Ein wirklich tolles Buch..LG..Karin..

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  2. Hallo Karin,
    ja mir persönlich war es eben ein bisschen zu verwirrend zu Beginn, aber ja, wenn man dann die ganze Tragweite versteht ist es wirklich heftig.

    Oh ja, die Sache mit Roland ist einfach Schrecklich! Bei jedem Schritt musste ich mir das alles vorstellen und das ist unendlich grausam! Das wünscht man wirklich seinem schlimmsten Feind nicht.

    Bin jetzt schon sehr gespannt, wie es weiter geht....

    lg, Steffi

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  3. Hallo Steffi,

    ist schon ein krasses Buch! Mein Sohn liest zur Zeit den 2.Teil dazu und er ist voll begeistert...

    LG..Karin..

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  4. Hallo Karin,

    ich hab das zweite ja auch schon hier liegen und will es diesen Monat unbedingt noch lesen!

    lg, Steffi

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