Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rezension: Schwarz wie Schnee - Jutta Wilke




Titel: Schwarz wie Schnee
Autorin: Jutta Wilke
  Seiten: 256 
Verlag: Sauerländer
  Preis: 14, 99 Euro  
  Ersterscheinung: 01. 09. 2012
  Reihe: Nein






Inhalt:
Als die 17-jährige Kira nach einem schweren Unfall im Krankenhaus erwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Weder an den Unfall, noch daran wer sie ist, oder an die Frau, die an ihrem Bett sitzt und behauptet ihre Mutter zu sein. Auch nach ihrer Entlassung weckt nichts ihre Erinnerungen. Kira verzweifelt immer mehr, denn sie weiß, dass sie verfolgt wird und mehr hinter dieser ganzen Sache steckt. Doch niemand will ihr glauben….

Meinung:
Schon der ungewöhnliche Titel, aber auch der Klappentext von „Schwarz wie Schnee“ haben meine Neugier geweckt. Denn das Thema einer totalen Amnesie mit unterschwelliger Gefahr klingt höchst spannend. Dabei reicht eigentlich schon die persönliche Vorstellungskraft, um sich die Folgen und das schreckliche Gefühl bei solch einem totalen Gedächtnisverlust bildhaft vor Augen zu führen, aber die Autorin übertrumpft dies alles. Der Hauptteil der Romans wird aus Kira´s Sicht erzählt. Somit bekommt der Leser das Gefühl der Verzweiflung und Kira´s Unsicherheit hautnah mit. Doch die Autorin begnügt sich nicht damit, diese Gefühle leicht anzuschneiden, sondern nimmt sich wirklich viel Zeit dafür. Zum einen wird dadurch die Handlung natürlich etwas gezogen und nach dem 10 Mal „Wer bin ich?“ kam doch ein kleiner Missmut bei mir auf, aber zum anderen sorgt die Autorin damit auch dafür, dass man extrem realistisch mit der Protagonistin fühlt und denkt. Man kann gar nicht mehr anders, als sich von der Spannung gefangen nehmen zu lassen und mit zu fiebern. 

Denn eine permanente Beklemmung und Bedrohung ist ständig unterschwellig vorhanden und dabei ist man sich auch lange selbst nicht sicher, ob Kira das alles wirklich erlebt, oder ob sie einfach nur verrückt wird und die diagnostizierten Panikattacken ihr einen Streich spielen.

Doch damit ist es nicht genug, denn vereinzelte kurze Zwischenkapitel aus einer anderen Sicht unterstützen den Spannungsaufbau weiter. Und auch der Schreibstil ist direkt auf Spannung ausgelegt und trägt dazu bei, dass man das Buch spätestens ab der Hälfte einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.

Während die Nebencharaktere, bis auf Julian, eigentlich fast alle undurchsichtig und etwas oberflächlich bleiben, ist Kira sehr vielschichtig beschrieben. Denn nicht nur ihre Ängste, sondern auch die Ungereimtheiten zwischen ihrem alten Charakter, sowie ihrem neuen Empfinden werden toll herausgearbeitet. So erfährt sie mit der Zeit immer mehr über ihr altes Leben, dass sie sich nun gar nicht mehr vorstellen könnte. 

Die Hintergründe finde ich gut in die Geschichte integriert und auch wenn man sich auf den letzten 50 Seiten das Geheimnis schon denken kann, spitzt sich doch alles weiter auf ein fulminates Ende zu, welches jedoch leider viel zu schnell und abrupt endet und dabei doch noch einige interessante Fakten außer Acht lässt. 

Fazit:
Ein unglaublich fesselnder Jugendthriller, der vor allem durch eine extrem authentische Protagonistin überzeugen kann. Aber auch ein spannender Plot, geschickte Irrführungen der Autorin und ein mitreißender Schreibstil sorgen dafür, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Leider ist das Ende zu abrupt, weshalb ein leicht unzufriedener Nachgeschmack bleibt, und „Schwarz wie Schnee“ die vollen 5 Buchherzen verpasst.

Infos zur Autorin (Quelle: Fischer-Verlage):
Jutta Wilke, geboren 1963, hat schon als Kind jedes Buch gelesen, das sie in die Hand bekam. Nach dem Abitur wollte sie Journalistin werden, doch stattdessen wurde sie Anwältin. Nach 12 Jahren aber hängte sie die Robe an den Nagel und tat endlich das, was ihr am meisten Spaß machte: Kinderbücher schreiben.

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