Samstag, 20. Juli 2013

Rezension: Das Glück eines einzigen Tages - Jacqueline Sheehan




Titel: Das Glück eines einzigen Tages
Autorin: Jacqueline Sheehan
Seiten: 384
Verlag: Blanvalet
Preis: 8, 99 € 
Ersterscheinung: 20. 05. 13
 
Reihe: Nein





Inhalt:
Als ihr Mann unerwartet stirbt, verändert sich die Welt der 40-jährigen Rocky für immer. Sie gibt ihre Karriere als Psychologin auf und verlässt ihre Heimat, um auf eine kleine Insel zu ziehen – eine Million Meilen entfernt von allem, was ihr jemals etwas bedeutet hat. In Peaks Island angekommen, erzählt sie kaum jemandem davon, wer sie wirklich ist und was sie hier her treibt. Sie nimmt einen Job als Tierkontrollwärterin an und bleibt am liebsten für sich alleine. Als sie eines Tages einen schwarzen Labrador mit einem Pfeil in der Schulter findet, nimmt sie den schwerverletzten Hund bei sich auf. Nachdem es ihm etwas besser geht, macht sie sich auf die Suche nach den Hintergründen für das mysteriöse Auftauchen, sowie den Besitzern des Labradors. Dabei stößt Rocky auf viele Geheimnisse und  benötigt auch immer öfters die Hilfe anderer Inselbewohner. Mit der Zeit entstehen neue Freundschaften und Rocky erkennt, dass ein Verlust auch immer der Beginn von etwas Neuem sein kann.  

Meinung:
Als ich den Klappentext von „Das Glück eines einzigen Tages“ das erste Mal las, hat er mich sofort angesprochen. Denn ab und an lese ich ganz gerne solche herzzerreißenden Geschichten, die zwar zumeist ziemlich vorhersehbar, aber unglaublich emotional sind. 

Doch irgendwie ist „Das Glück eines einzigen Tages“ von Grund auf anders, als ich es erwartet habe. Obwohl das Ende der Geschichte zwar so ist, wie vorgestellt, ist der Weg dahin alles andere als vorhersehbar. Außerdem bringt die Autorin durch das Geheimnis um das Auftauchen des Labradors auch immer wieder einen kleinen Spannungsbogen in die Handlung. 

Die Figuren wirken auf den ersten Blick eigentlich eher alltäglich, doch das ändert sich ziemlich schnell. Sie haben alle Besonderheiten und auch ungewohnte Eigenschaften, für deren Beschreibung und Bedeutung sich die Autorin sehr viel Zeit nimmt. 

So ist Rocky zwar eigentlich eine bodenständige Psychologin, aber durch den Verlust ihres Mannes wird sie auch etwas unberechenbar und handelt öfters unüberlegt und situativ  (zum Beispiel, indem sie die Asche ihres Mannes in die Friteuse eines Fastfood-Ladens schüttet).

Auf der Insel lernt sie unter anderem die schon etwas ältere Tess kennen, die dem Leser vor allem dadurch im Gedächtnis bleibt, dass sie eine Synästhetikerin ist und dadurch ihre Wahrnehmung durch bestimmte Farben, Temperaturen und bestimmte Stellungen im Raum unterstützt wird. So empfindet sie z. B. Schmerzen als Orange, oder haben einzelne Buchstaben bestimmte Farb- und Ortzuweisungen. Diese Wahrnehmungen werden im Buch teilweise ziemlich ausführlich beschrieben, wodurch der Leser einen ungewöhnlichen Einblick in etwas Neues bekommt und damit doch ins Grübeln kommt, wie eintönig und trübsinnig unsere normale Wahrnehmung dagegen ist. 

Eine andere Figur, die eine größere Nebenrolle spielt und aus deren Sicht auch teilweise einige Kapitel im Buch erzählt werden, ist die junge Melissa. Sie ist die Tochter von Rockys neuer Nachbarin und magersüchtig. Rocky fällt dies gleich auf und macht immer wieder direkte Andeutungen, wodurch sie von Melissa als Gefahr eingestuft wird. Als Leser erfährt man, was in Melissa vorgeht und wie sie sich durch die Begegnungen mit dem schwarzen Labrador Lloyd verändert. 

Dadurch, dass die Kapitel teilweise aus verschiedenen Sichten erzählt werden, erhält der Leser Einblick in viele verschiedene emotionale Gegebenheiten und verfestigt seine Beziehungen und Meinungen zu den einzelnen Figuren, die bei mir zwar nicht immer unbedingt positiv waren, aber das Buch dennoch als etwas Besonderes auszeichnen. 

Doch leider bin ich mit dem Roman trotzdem nicht so ganz warm geworden, denn vor allem beim Schreibstil hätte ich mir oft einfach viel mehr Gefühl gewünscht. Während der Zeit in der Rocky ihren Mann tot auffindet, wusste ich, dass dies traurig und tragisch ist, aber leider wurde dieses Gefühl durch das Lesen kaum unterstützt. Und auch im weiteren Verlauf dringt die Autorin mit ihren Beschreibungen leider selten wirklich zu mir durch und kann mich emotional kaum so steuern und beeinflussen wie es sich für solch einen Roman gehört. 

Fazit:
„Das Glück eines einzigen Tages“ ist anders als man es erwartet. Die Autorin legt in ihrem Roman sehr viel Wert auf die Beschreibungen der einzelnen Figuren und stattet diese mit vielen Eigenheiten aus, die vielleicht nicht jedermanns Geschmack treffen, aber der Geschichte dennoch etwas Besonders und leicht abstraktes verleihen. Leider war mir der Schreibstil etwas zu emotionslos, um mich wirklich fesseln zu können. Am Ende gibt knappe 3 von 5 Buchherzen für einen Roman, der durchaus seine Vorzüge hat und sich auch von anderen Vertretern dieses Genres abhebt, aber mich nicht ganz zufrieden stellen konnte. 

Ich danke dem Balnvalet-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Infos zur Autorin (Quelle: Amazon):
Jacqueline Sheehan wuchs in Neuengland auf und lebt heute in Massachusetts. Sie arbeitet als Autorin und Psychologin. Außerdem leitet sie verschiedene Schreibseminare. Sie hat bereits zwei Romane und zahlreiche Essays und Artikel veröffentlicht.

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